
Was ein perfektes SaaS-Produkt ausmacht
Was unterscheidet erfolgreiche SaaS-Produkte von den weniger erfolgreichen? In unserer Arbeit mit Startups, Mittelständlern und NGOs beobachten wir immer wieder dieselben Muster – sowohl bei positiven Beispielen als auch bei gescheiterten Ansätzen.
1. Zu viele manuelle Prozesse zerstören Rentabilität
Ein gutes SaaS-Produkt läuft – möglichst von allein. Sobald regelmäßig Menschen Hand anlegen müssen, ist das Geschäftsmodell selten wirtschaftlich. Fire-and-forget ist das Ziel: einmal einrichten, dauerhaft skalieren.
Beispiele:
- Automatisiertes E-Mail-Marketing basierend auf Useraktionen
- Fertige Zahlungsintegration mit Aboverwaltung (z. B. Stripe, Paddle)
- Self-Service-Login, Passwort zurücksetzen, Rechnungen laden
- Supportlösungen mit AI-First-Ansatz oder Help Center
2. Technologieauswahl mit Augenmaß
SaaS muss profitabel sein – und das geht nur mit smartem Stack. Teure Server-Cluster und komplexe Containerlösungen lohnen sich nicht in der Frühphase. Wichtig ist: schnell zum Markt, ohne technisches Risiko.
2.1 Quick-to-Market, ohne langfristige Sackgassen
Wir setzen bei MVPs gern auf Firebase oder AWS Amplify. Der Markt zeigt innerhalb weniger Wochen, ob das Produkt angenommen wird – und wenn ja, lässt sich skalieren. Wenn nein, war’s wenigstens günstig.
2.2 Weniger Komplexität, mehr Spezialisierung
Keine eierlegende Wollmilchsau. Gute Produkte lösen ein konkretes Problem – effizient. Weniger Custom-Code, mehr Standardkomponenten. Whitelabel statt Individualentwicklung, sofern möglich.
3. Self-Service, API-first, modulares Denken
Was der Nutzer selbst tun kann, sollte er auch selbst tun. Gute Produkte vermeiden menschlichen Overhead im Betrieb. Das gilt auch im Backend: Eine API-first-Architektur kann im B2B-Bereich oft schon als eigenständiges Produkt funktionieren.
Modularität ist dabei essenziell: Wenn das Produkt scheitert, kann man einzelne Komponenten weiterverwerten – ob als neue Features, Services oder Tools.
4. Groß denken – aber mit Fokus
Ja, Accessibility lohnt sich von Anfang an. Ja, SEO sollte technisch vorbereitet sein. Ja, Internationalisierung (i18n) ist einfach, wenn man es einplant. Und ja, moderne Frameworks mit Long-Term-Support zahlen sich langfristig aus.
5. Bestehendes verbessern – statt neu erfinden
Viele Probleme sind nicht neu – die Lösung muss nur besser sein. Deshalb lohnt sich ein Blick auf Third-Party-Tools, APIs und bestehende Open-Source-Lösungen. Wir sind große Fans davon, das Bestehende clever zu kombinieren.
6. Nutzerzentrierung statt Edge-Case-Overkill
Ein gutes Produkt richtet sich an die Mehrheit. Edge Cases machen Projekte teuer und schwer wartbar. Stattdessen: klare Zielgruppe, intuitive UX, gute Accessibility – und ein i18n-Setup, das neue Märkte ermöglicht.
7. Positive Beispiele
Wir orientieren uns gern an Tools wie:
- Miro – kollaborativ, intuitiv, technisch solide
- Calendly – löst ein einziges Problem extrem gut
- Clockodo – saubere API, klarer Fokus, guter UX-Flow
- Plausible – Analytics mit Fokus auf Datenschutz und Einfachheit
- Postmark – Transaktionsmails ohne Overhead
- Notion – modular, schnell, sehr gutes Onboarding
8. No-Gos in SaaS-Produkten
- Manuelle Rechnungserstellung
- Excel-Exporte statt APIs
- Verträge nur per PDF und E-Mail
- Kein Self-Service für Passwort, Account oder Kündigung
- Postversand oder Fax (ja, das gibt’s noch!)
- Kein Backup-Konzept oder fehlende Recovery-Strategie
- Technologiewahl, die keine Migration erlaubt
- Unnötig komplexer Admin-Aufwand im Daily Business
Unser Fazit: Das perfekte SaaS-Produkt automatisiert, fokussiert und wächst modular mit. Es basiert auf pragmatischen Entscheidungen, reduziert menschlichen Aufwand und nutzt bestehende Tools smart aus.
Was ein perfektes SaaS-Produkt ausmacht
Julian Sunten
Julian Sunten ist Gründer und Geschäftsführer der Asappz GmbH sowie ehemaliger CTO der Wohnsinn GmbH. Er gilt als Experte für skalierbare Cloudlösungen im Mittelstand und entwickelt mit Leidenschaft seit über zehn Jahren innovative Softwareprodukte.